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Recyclingmöbel sind die Spitze des Eisbergs - Green Living im Interview mit "Neues Zuhause"

Interview mit Christian Voss, dem Geschäftsführer des umweltbewussten Einrichtungsgeschäfts “Green Living”

Im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg befindet sich das Einrichtungsgeschäft Green Living, spezialisiert auf nachhaltig hergestellte Möbel, Teppiche und Wohnaccessoires. Auch einige Produkte, die aus Recyclingmaterialien hergestellt wurden, sind bei Green Living im Sortiment. Seit kurzem sind ausgewählte Stücke zusätzlich im eigenen Online-Shop (www.greenliving-shop.de) erhältlich. Wir haben mit Geschäftsführer Christian Voss über Recyclingmöbel gesprochen.

Welche Recyclingmöbel verkaufen Sie bei Green Living? 
Die Spanne reicht von Windlichtern aus alten Flaschen, die in der Behindertenwerkstatt „Side by Side“ hergestellt wurden, bis hin zu den Möbeln und Wohnaccessoires der Kollektion „Le Briccole di Venezia“ von Riva 1920. Das sind sehr hochwertige Stücke, die von renommierten Designern aus venezianischen Pfählen gestaltet wurden. Außerdem gibt es bei uns Sessel aus alten Holzdielen von Michael Ferguson zu kaufen, der seine Werkstatt hier gleich um die Ecke hat.

Ein Hocker aus venezianischen Pfählen von Riva 1920 kostet 800 Euro, warum sind Recyclingmöbel so teuer?  
Recycling ist ja nicht per se teuer. Hier bewegen wir uns schon im Spannungsfeld zwischen Kunst und Handwerk. In Recyclingmöbeln steckt viel Handarbeit, außerdem sind die Materialien bei diesen Beispielen sehr selten, darum sind die Stücke nicht billig. Der bekannte niederländische Recyclingmöbeldesigner Piet Hein Eek hat zum Beispiel mittlerweile Probleme, noch mehr dieser alten, enormen Holzbalken zu finden, aus denen er Bänke baut. Auch Michael Ferguson wird früher oder später Probleme bekommen, genügend Dielen zu bekommen. Michael Ferguson arbeitet mit verschiedenfarbigen Dielen, davon gibt es nicht viele. Dielen, die mit „Ochsenblut“-Farbe bestrichen wurden, sind häufig, andere Farben muss man suchen.

Gibt es einen bestimmten Typ von Kunden, der sich für Recyclingmöbel interessiert? 
Der hohe Preis grenzt die Käuferschar natürlich ein. Unter unseren Kunden sind viele Designliebhaber. Bei denen ist die Optik das Hauptkaufkriterium, Nachhaltigkeit ist für sie nur ein zusätzlicher Anreiz. Wir hatten schon einmal zwei Sessel von Michael Ferguson bei uns im Laden stehen. Gekauft wurden sie von einem Paar aus Nordrhein-Westfalen. Die beiden haben mir erzählt, was sie in ihrer Wohnung sonst für Möbel haben: Vitra, Knoll und weitere Designerstücke. Am Ende war ihnen das zu geleckt, viel zu glatt. Darum haben sie nach etwas Anderem gesucht. Ein interessantes Design, Möbelstücke, die einzigartig sind – das kommt bei den Leuten gut an.

Kommen Leute schon mit dem konkreten Wunsch zu Ihnen, Recyclingmöbel zu kaufen? 
Es gibt kaum Kunden, die gezielt nach Recyclingmöbeln suchen. Aber viele Leute suchen etwas Einzigartiges, etwas, von dem sie eine Geschichte erzählen können. Im Zeitalter der Massenproduktion will man sich individuell einrichten. Genau diese  Außergewöhnlichkeit bieten Recyclingmöbel. Mit ihnen kann man eher design- oder luxusinteressierte Leute an das Thema Nachhaltigkeit heranführen. Recyclingmöbel sind die Spitze des Eisbergs, aber sie schaffen bei den Leuten ein Bewusstsein für die Problematik.

Solche Kunden sind bestimmt anspruchsvoll. Welche Erwartungen haben Käufer an Recyclingmöbel? 
Meine Erfahrung ist, dass die Kunden nicht bereit sind, auf Komfort und Luxus zu verzichten. Damit Recyclingdesign funktioniert, gibt es Regeln. Dazu gehört die Oberfläche, die Haptik der Möbel. Die Stücke müssen glatt sein und sich gut anfühlen. Der Kaschmirpullover der Käufer darf nicht kaputt gehen, wenn sie sich auf ihren neuen Recyclingsessel setzen. Außerdem müssen es Materialien sein, die in Würde altern. Holz ist darum stets besser geeignet als Plastik.

Recyclingmöbel haben oft ein sehr ausgefallenes Design. Zu welchem Einrichtungsstil passen sie? 
Die Gradwanderung zwischen coolem Design und Sperrmüll ist sehr schmal. Es ist immer das Umfeld, das die Stücke wirken lässt. In einer Studentenbude mit alten, abgewetzten oder sehr günstigen Möbeln würden die Sessel von Michael Ferguson nach nichts aussehen. Vielleicht könnte man sogar denken, dass diese alten Stühle auch endlich auf den Müll gehörten. Zu hochwertigen Designermöbeln bieten Recyclingmöbel hingegen einen tollen Kontrast. Hier können sie der Einrichtung exklusiven Charme verleihen.

Wie wählen Sie die Stücke für Green Living aus? 
Ich entscheide das subjektiv, aber natürlich gibt es Regeln. Es geht uns darum, Möbel anzubieten, für deren Herstellung nicht in den Ökokreislauf eingegriffen wurde. Der Transport macht zum Beispiel viel aus. Es ist uns wichtig, nachvollziehbar zu machen, warum unsere Produkte ökologisch sind. Wir sind jedoch keine Hardliner. Wir wissen, dass die Kunden Ansprüche haben und auf Komfort nicht verzichten wollen. Der Ansatz der Designer oder Hersteller muss realistisch sein. Es gibt immer Idealisten, aber nur mit Idealismus kommt man nicht weit. Es müssen Konzepte her, die kommerziell funktionieren. Oft kommen Künstler oder Bastler zu uns, die uns ihre Produkte anbieten. Manche davon haben keine Ahnung von Möbelherstellung, finden die Idee von Recyclingdesign aber klasse. Wenn es an der Qualität hapert, wird aber auch das Ökologische infrage gestellt.

Bei Green Living verkaufen Sie nicht nur Recyclingmöbel, sondern auch andere „grüne“ Möbelstücke. Was macht diese aus? 
Die Ökobilanz von Möbeln ist eine Summe von Kriterien. Es geht unter anderem darum, woher die Rohstoffe kommen oder welche Materialien verwendet werden. Manche Hersteller, deren Produkte wir vertreiben, haben Zertifikate, andere haben auch eine ökologische Ausrichtung, wissen es aber gar nicht, weil sie zum Beispiel schon immer nur mit Materialien aus der Region gearbeitet haben. Einfache Stücke sind viel eher „grün“. Ein Stuhl aus Holz aus der Umgebung mit natürlichem Leim verarbeitet – da ist nichts dran, was die Ökobilanz stört. Die Probleme entstehen bei komplexen Produkten. Denn das erschwert später das Recycling. Wohngesundheit ist für uns auch ein wichtiges Thema. Momentan sind wir dabei, uns vom Sentinel-Institut aus Freiburg für besonders wohngesunde Möbel zertifizieren zu lassen. Der Kunde bekommt damit die garantierte Sicherheit, saubere Raumluft zu genießen- und das ist ja schon immens wichtig, oder?

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